Vom Phänomen der «Post-Mortem-Folter»

veröffentlicht am Samstag, 26. September 2020 von Matthias Altwegg
Vorwort sc Poscht_10_20

Während der Zeit, als wir im Studio Online-Gottesdienste produzierten, verliessen verschiedene Leute – auch ich – jeweils hadernd das Studio. Hätte ich jene Passage doch etwas besser formuliert! Wäre ich doch etwas freier gewesen! Warum habe ich diesen Gedanken vergessen? Nachdem alles im Kasten war, hätte ich es gerne besser gemacht.

Genau in dieser Zeit las ich vom Phänomen der «Post-Mortem-Folter», was wörtlich übersetzt «Nach-Tod-Folter» heisst. Diese Folter macht sich dann bemerkbar, wenn nach einer Situation die Gedanken kreisen und man sich an den misslungenen Momenten festbeisst. Früher erlebte ich dies in viel stärkerem Mass nach jeder gehaltenen Predigt. Man fühlt dann so eine Schwere im Körper und Hoffnungslosigkeit in der Seele. Die Vergangenheit war jetzt eben Vergangenheit – ich konnte sie mit meinen Grübeleien nicht mehr verändern.

Wenn Sorgen vergebliche Kontrollversuche in die Zukunft sind, sind diese Grübeleien Kontrollversuche rückwärts in die Vergangenheit. So oft denken wir doch, Gott sei enttäuscht von uns: Wir würden – quasi im Auftrag Gottes – nochmal alles bedenken und uns fertigmachen müssen. Dieses Gottesbild entspricht nicht dem Wesen Jesu, der uns ja das Herz Gottes offenbart hat. Es ist mein eigener innerer Richter, der hier das Zepter in der Hand hat. Wir müssen uns weder nach hinten noch nach vorne sorgen, sondern dürfen jederzeit wissen, dass Jesus löst, was mich bindet und belastet. Wenn ich mühselig und beladen bin, darf ich mich von Jesus retten lassen. Immer wieder. Er kommt mit dem Retten nicht ans Ende.

Ich bin überzeugt, dass der Kurs «Leben in Freiheit» unter anderem auch an diesem Punkt ansetzt. Jesus bietet uns ein Leben in der Freiheit an!

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