Metamorphose

veröffentlicht am Donnerstag, 7. Januar 2021 von Matthias Altwegg
Serie_Metamorphose

Die Jahreslosung für das Jahr 2021 lautet: «Seid barmherzig, wie auch euer Vater barmherzig ist» (Lukas 6,36). Massstab für unsere Barmherzigkeit soll also die Barmherzigkeit des Vaters sein. Und Gott, unser Vater, ist enorm barmherzig (z.B. Psalm 103,8). Eine Überforderung!?

  • Selbstverständlich, wenn ich auf meine bescheidenen Möglichkeiten schaue.
  • Selbstverständlich nicht, wenn ich auf Gottes Möglichkeiten blicke!

In Römer 12,2 steht im griechischen Text das Wort metamorphose in einer grammatikalischen Form, so dass die richtige Übersetzung «Lasst euch in eurem Wesen verwandeln» lautet. Mit der gleichen Wunderkraft, mit der aus einer Puppe ein Schmetterling wird, verwandelt uns Gott in unserem Wesen. Aber Achtung: Dies geschieht nicht an unserem Willen vorbei. Es handelt sich um einen Imperativ Passiv. Wir müssen wollen! Wie geht das? Indem wir unser Herz Gott hinhalten, in Gottes Töpferwerkstatt Zeit verbringen und uns formen lassen, ihn anschauen – und in alldem werden wir in unserem Wesen in das Bild Gottes verwandelt. Im neuen Jahr werden wir mit dem Jahresthema «Metamorphose» unterwegs sein und uns intensiv mit solchen Umgestaltungsprozessen hin zur Barmherzigkeit Gottes befassen.

Eine Anwendung für die heutige Zeit gibt uns Martin Luther. Das folgende Zitat aus dem Jahr 1527 könnte aktueller nicht sein:

«Wenn Gott tödliche Seuchen schickt, will ich Gott bitten, gnädig zu sein und der Seuche zu wehren. Dann will ich das Haus räuchern und lüften, Arznei geben und nehmen, Ort meiden, wo man mich nicht braucht, damit ich nicht andere vergifte und anstecke und ihnen durch meine Nachlässigkeit eine Ursache zum Tod werde. Wenn mein Nächster mich aber braucht, so will ich weder Ort noch Person meiden. Sieh, das ist ein gottesfürchtiger Glaube, der nicht tollkühn und dumm und dreist ist und Gott nicht versucht.» (Luthers Werk Band 5, Seite 334f.)

Es lohnt sich, gerade in dieser Zeit, in der sehr viele Menschen verunsichert sind und nicht wenige mit Depressionen zu kämpfen haben, sich zu überlegen, was Barmherzigkeit bedeuten könnte. Danke, Martin Luther, für deine hochaktuellen Impulse!

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