WhatsApp unter Beschuss?!

veröffentlicht am Dienstag, 19. Januar 2021 von Simon Wick
Messenger

Aktuell fordern die Medien mit grossen Schlagzeilen dazu auf, WhatsApp zu verlassen und stattdessen für die Kommunikation einen alternativen Messenger zu verwenden. Möglicherweise hast du auch von einem Freund / einer Freundin einen entsprechenden Anstoss dazu erhalten. Was verbirgt sich dahinter und weshalb veröffentlicht nun auch die seetal chile einen Beitrag zu dem Thema? Wir sehen uns in der Verantwortung, als Kirche zu der Sache Stellung zu nehmen.

Was ist passiert?

In unseren Breitengraden ist WhatsApp die gängigste Messenger App überhaupt. Du kannst praktisch alle Leute auf WhatsApp erreichen. Seit der Erstveröffentlichung im Jahr 2009 ist aber einiges geschehen, was dem Unternehmen gegenüber das Vertrauen zunehmend schwächt. So wurde WhatsApp zwischenzeitlich von Facebook übernommen und wird stark für die Weiterverwendung und Kommerzialisierung von Nutzerdaten kritisiert. Zudem wird die Sicherheit des Dienstes in vieler Hinsicht bemängelt. Hier weiter ins Detail zu gehen, würde zu weit führen. Entsprechende Informationen kannst du aktuellen Medienberichten entnehmen.

Klar ist aber: WhatsApp hat kürzlich neue Nutzungsbedingungen veröffentlicht und fordert damit jede Person dazu auf, diesen zuzustimmen. Ohne eine Zustimmung wird es nicht möglich sein, den Dienst weiter zu verwenden. Genau an dieser Stelle befindet sich der Knackpunkt: Die Nutzerbedingungen werfen viele Fragen auf in einer Gesellschaft, die sensibler geworden ist in Sachen Privatsphäre und Datenschutz. So wird je länger desto mehr angenommen, dass WhatsApp Daten von Nutzern an Facebook & co. weitergibt, um diese unter anderem für Werbezwecke zu verwenden. Zudem wälzt WhatsApp datenschutzrechtliche Pflichten an den Nutzer ab, um diesen im Ernstfall nicht nachkommen zu müssen.

Unumstritten lässt sich also sagen: Der Mensch ist mit all seinem Tun und Sein zu einem Produkt geworden. Unsere alltägliche Kommunikation über den beliebten Messenger bezahlen wir mit der Offenlegung persönlicher Informationen, die eigentlich schützenswert sind.

Kommunikation in der seetal chile

Die seetal chile lebt von der Kommunikation zwischen Menschen – insbesondere für die unzähligen ehrenamtlichen Mitarbeiter ist der Nachrichtenaustausch ein wichtiges Mittel. Die aktuelle Informationswelle zum Thema WhatsApp hat uns dazu bewogen, zu prüfen, ob wir deren Weiterentwicklung grundsätzlich zustimmen wollen/können und welchen Einfluss diese Entscheidung auf uns als Kirche hat.

Es stehen zwei Grundsatzfragen im Raum:

  • Inwiefern können wir die Weiterentwicklung von WhatsApp aus ethischer Sicht vertreten und wie viel persönliche Information geben wir preis?
  • Ist die Art, wie WhatsApp unsere Daten verarbeitet, mit unseren Werten zum Thema Datenschutz vereinbar? Mehr zu unseren aktuellen Prozess bzgl. Datenschutz

Wir stufen die Weiterverwendung von WhatsApp als «unzumutbar» ein. Wie wir im Detail zu diesem Entschluss kommen, teilen wir gerne auf Nachfrage mit. Nutze dazu die Kommentarfunktion unterhalb dieses Beitrags.

Diese Stellungnahme soll auch bestärken, dass wir uns als Kirche in der Verantwortung sehen, vorbildliche Werte innerhalb unserer Gesellschaft zu vertreten.

Wie weiter?

Wir möchten zum Denken anregen und sensibilisieren. Welchen Messenger – ob WhatsApp oder eine Alternative – du in Zukunft verwenden möchtest, bleibt in deiner Hand.

Dennoch: In Bezug zur seetal chile wurde die Situation komplexer. So erhalten wir nun regelmässig Nachrichten von Leuten, die ermutigen, zu einer persönlich bevorzugten Alternative umzusteigen (Telegram, Threema, Signal, …). Das macht es ungemein schwieriger, eine bestimmte Person zu erreichen, da nun erst ermittelt werden muss, welchen Dienst jemand nutzt. Gerade in Gruppenchats von Mitarbeitern zeigt es sich besonders schwierig, wenn Leute diesen plötzlich verlassen und ein Team damit unvollständig zurücklassen.

Wir empfehlen: Threema

Einerseits wollen wir WhatsApp die Stirn bieten und nicht weitermachen wie bisher, andererseits wäre es wünschenswert, dass sich das soziale Umfeld (gerade auch in der seetal chile) für einen gemeinsamen Messenger entscheidet. Vollständig wird dies wohl nie möglich sein, aber wir wollen dich ermutigen, mitzumachen.

Nach einer umfangreichen Analyse sind wir der Meinung, dass ein Umstieg auf Threema Sinn ergibt. Im Vergleich zu andern Diensten punktet Threema hauptsächlich mit:

  • Nachrichten werden Ende-zu-Ende verschlüsselt (inkl. Umgehungsschutz) und nach erfolgreicher Zustellung auf dem Übertragungsserver sofort wieder gelöscht (keine Langzeitspeicherung).
  • Bei Threema handelt es sich um ein Schweizer Unternehmen, welches eine nachhaltige Unternehmenskultur pflegt.
  • Sämtliche Server von Threema befinden sich in eigens betriebenen Rechenzentren mit Standort Schweiz.
  • Threema ist der einzige Anbieter, der eine anonyme Nutzung (ohne Angabe von Kontaktdaten) erlaubt.
  • Sämtliche Softwarebestandteile von Threema sind quelloffen. Das bedeutet, dass jeder überprüfen kann, was Threema bei der Verwendung der App genau macht. Regelmässige unabhängige Audits bestätigen die Qualität der technischen Implementierung.

Du kannst Threema entweder im App Store (iOS) oder im Google Play Store (Android) beziehen. Beim Herunterladen von Threema wird einmalig ein Betrag von Fr. 3.- fällig, welcher über die Handyrechnung, über die Eingabe eines anonymen Gutscheincodes oder mit einer Kreditkarte bezahlt werden kann.

Für Gegner von kostenpflichtigen Apps: Es handelt sich um kein Abo oder dergleichen, sondern um eine einmalige Investition in ein Schweizer Unternehmen, welches sich nicht durch Werbeeinnahmen finanziert. Und mal Hand aufs Herz: Für ein Smartphone geben wir schnell mal hunderte Franken aus, da sollten wir auch bereit sein, für den täglich genutzten Messenger den bescheidenen Preis einer Tasse Kaffee zu bezahlen.

Ausblick

Im Sinne unserer Reorganisation in Richtung Agilität (siehe dazu diesen Beitrag) sind wir auch daran, eine Möglichkeit zu schaffen, dass Gruppen miteinander einfacher kommunizieren können. Da es laufend viele Veränderungen innerhalb der Mitarbeiterteams gibt und diese wiederum komplex miteinander vernetzt sind, eignen sich herkömmliche Gruppenchats für die Kommunikation untereinander nicht mehr. Dazu werden wir aber zum gegebenen Zeitpunkt informieren.

Für private Chats und bereits bestehende Gruppen empfehlen wir den Wechsel zu Threema (siehe oben).

Wo bist du zu finden?

Dass nun viele Leute unterschiedliche Messenger-Dienste präferieren, macht es nicht gerade einfach für eine direkte und schnelle Kommunikation. Als Angestelltenteam der seetal chile haben wir uns deshalb darauf festgelegt, dass wir zukünftig vermehrt nach folgendem Schema vorgehen werden: Wir versuchen, eine Person über Threema zu erreichen und greifen alternativ auf die Kommunikation via SMS/E-Mail/Telefon zurück.

In dem Sinne wünsche ich viel Freude beim Chatten!

Randbemerkung: Wir sind übrigens nicht von Threema gesponsert, sondern wollen schlichtweg ein Zeichen setzen. 😉

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Eveline
Eveline (@guest_96)
19. Januar 2021 17:56

Kann es sein, dass uns Europäer die neuen Bestimmungen tatsächlich nicht tangieren, wie man an verschiedenen Orten lesen kann?
(Bsp von Bluewin: Die neuen Bestimmungen räumen Eigentümer Facebook das Recht ein, noch mehr Daten von WhatsApp selbst zu übertragen. Schweizer Nutzer*innen betrifft dies jedoch nicht, denn in Europa gilt eine andere Datenschutzerklärung als im Rest der Welt.)

Oliver Rüegger
Oliver Rüegger (@guest_98)
19. Januar 2021 20:21

Genial, dass ihr als Kirche euch zu diesem Thema äussert und eine Lanze für eine zuverlässige Schweizer App brecht!

Daniel Rindlisbacher
Daniel Rindlisbacher (@guest_99)
20. Januar 2021 15:44

Ich würde sagen wir kommunizieren mit Brieftauben……back to the roots……

Chris
Chris (@guest_100)
20. Januar 2021 21:11

Ich finde es auch stark, dass ihr als Kirche Position bezieht und ein Zeichen setzt. Ich wünsche euch und auch anderen, dass möglichst viele zu Threema wechseln und Whatsapp hinter sich lassen…

Sergio
Sergio (@guest_101)
21. Januar 2021 12:03

Ich habe Verständnis dafür, jedoch finde ich es anderseits auch völlig übertrieben. Solche Geschichten entstehen, wenn es zu viele Erfolgsneider gibt auf dieser Welt (u.a. Erfolg von Facebook und WhatsApp). Ich bin der Meinung, dass jeder welcher WhatsApp löscht, sich auch von seinem Smartphone verabschieden muss (z.B. zurück zum Nokia 6610 😊 ). Kennen alle, sämtliche Nutzungsbedingungen aller Apps, welche auf seinem eigenen Handy geführt werden? Bin schon länger auch bei Threema dabei, aber ich werde bestimmt auch das WhatsApp weiterführen.

Sina
Sina (@guest_102)
21. Januar 2021 12:03

Simi danke für diese ausführliche, fundierte Stellungnahme. Mir war das ganze Gstürm bisher einfach zu doof; wer soll da noch durchblicken, welcher Dienst nun nützlich ist?! Alleine das raussuchen hat mich frustriert! Ich werde mich aber nun gerne Deinem Rat anschließen und mich vorerst für Threema entscheiden – dass es eine 🇨🇭App ist empfinde ich als absolutes non plus ultra und bezahle die 3Fr noch so gerne! Einml mehr bin ich dankbar, dass Du unserer Gemeinde als Spezialist stets mit Rat und Tat zur Verfügung stehst 😊👍🏼

Andrea Spirgi
Andrea Spirgi (@guest_105)
21. Januar 2021 16:59

Lieben Dank für die ausführliche Info bezüglich Whats App. Ich wollte Threema gleich runter laden und es gibt verschiedene Apps. Welche ist es? Ich hab bereits eins runter geladen und bekomm nun Dating Angebote 😉 
Das war wohl das Falsche. 😅 
Lieber Gruss
Andrea

Andrea Spirgi
Andrea Spirgi (@guest_107)
22. Januar 2021 17:39

Lieber Simi
Vielen Dank. Hab nun das Richtige geladen.  😉 

Rut
Rut (@guest_108)
22. Januar 2021 23:11

Hallo Simon
Vielen Dank für Deinen Beitrag.
Ich möchte Threema auf dem Laptop installieren (Windows 7). Welchen Emulgator würdest Du mir empfehlen? Ich hab jetzt mal BlueStacks installiert, bin aber nicht sicher, ob das eine gute Wahl war…
Ein Upgrade auf Windows 10 ist auch nicht auszuschliessen 😉

Über den Autor

Simon Wick

Simon Wick

Leiter IT Services & Eventtechnik

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