Mal stark mal schwach

veröffentlicht am Samstag, 29. Februar 2020 von Matthias Altwegg
Vowort seetalchilePoscht_202003

Kürzlich schrieb jemand folgende Zeilen: Mit einem VW-Bus voller Leute suchte er bei Nacht den Rückweg in die Herberge. Norwegen, schmale Strasse über steilen Fjorden. Sturm und heftiger Regen. Die Scheibenwischer überfordert. Die enge Küstenstrasse über den Klippen ohne Leitplanken. Und dann fiel an seinem Auto auch noch die Beleuchtung aus. Was jetzt? Stehen bleiben? Ein nachfolgendes Auto könnte auffahren. Blind weiterfahren? Undenkbar. Es gab nur eine Möglichkeit: Am Rückstrahler des vorausfahrenden PKW’s dranbleiben. Der Sicht des Vordermannes vertrauen, auf seine Behutsamkeit und «Rücksichtnahme». Sich vertrauend begnügen damit, dass er mit seiner besseren Sicht den Kontakt zu seinem Anhängsel nicht abreissen lässt. In schweren Zeiten kommt man auch so voran. So – auch wenn man nur einen einzigen Schritt weit sieht.

Auch in unserer Gemeinschaft gibt es viel Not und Leid. Die Liste für das Gebet auf dem Gottesdienstflyer will nicht abreissen. Immer gibt es neue Leute, die durch eine Leidenszeit gehen. In solchen Situationen sind beide Seiten gefordert. Leidende Menschen sind herausgefordert, dem inneren Reflex des Rückzugs zu widerstehen und sich an den «Rückstrahler» eines Autos mit Sicht anzuhängen. Und Menschen, die gerade auf der Sonnenseite des Lebens stehen, sind herausgefordert, den Kontakt zu leidenden Menschen nicht abbrechen zu lassen.

Leidende Menschen sind ein Segen für eine Gemeinschaft, denn sie ermöglichen es anderen, einen Liebesdienst zu tun. Ja, ich weiss, niemand ist gerne schwach und hängt sich an das Rücklicht eines anderen. Doch im Laufe des Lebens wechseln die Rollen oft mehrmals. Jeder ist mal stark, jeder ist mal schwach. Wie gut, dass wir einander haben!

Ich will dich segnen und du sollst ein Segen sein! Wie können wir unseren diesjährigen Bibelvers angesichts unserer langen Krankheitslisten in der seetal chile umsetzen? Diese Frage betrifft mich als Pastor sehr stark. Auch du bist darin gefordert.

Übrigens ist die Anwesenheit von Leid für mich ein starker Beleg dafür, dass die Bibel Recht hat, wenn sie sagt: «Denn wir wissen, dass die ganze Schöpfung bis zu diesem Augenblick mit uns seufzt, wie unter den Schmerzen einer Geburt» (Römer 8,22). Umso mehr freuen wir uns auf die neue Welt, die Gott schaffen wird, in der es keine Tränen mehr geben wird!

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